3/17/2017

UNVOLLENDETE VOLLENDUNG

Gleich zweimal verwendet die englische Schriftstellerin Jane Austen den Begriff in einem ihrer Jugendwerke, dem unvollendeten Briefroman Lesley Castle. Einmal um die Blässe der jungen Eloisa zu beschreiben, die eben erfahren hat, dass ihr zukünftiger Gatte sich nach einem Reitunfall in Lebensgefahr befindet – und schließlich auch stirbt; an anderer Stelle vergleicht sie das Herz des verliebten, unglücklichen Lesley damit: „soft as a […] syllabub“. In der deutschen Ausgabe heißt es „so weich wie Schaumcreme“.
Ob diese Übersetzung dem Syllabub, einem britischen Dessert, das sich ab dem 16. bis ins 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute, gerecht wird, ist nicht eindeutig zu beantworten, denn die Herkunft des englischen Wortes ist ungeklärt. 

Ivan Day, ein britischer Food-Historiker, verfasste einen ganzen Essay über den weißen, weichen, fluffigen Nachtisch und beschreibt anhand überlieferter Rezepte ausführlich die Variationen der Grundzutaten – Milch (bzw. Sahne), Wein, Zucker – und die anfänglich doch sehr abenteuerliche, man könnte auch sagen unkomplizierte Zubereitungsart „direct from the cow.
Direkt von der Kuh also, wird die Milch geradewegs in ein Gefäß mit gesüßtem Wein hinein gemolken. Fertig. 
Klingt nicht sehr appetitlich und ob ein Syllabub je so zubereitet wurde, ist nicht ausreichend belegt. Durchgesetzt hat sich die Methode jedenfalls nicht. Für die Zubereitung des Desserts muss man sich keine Kuh mehr halten, heute reicht ein einfacher Mixer. Und Fantasie. Denn ein Syllabub lässt sich auf unzählige Arten zubereiten und kombinieren. Mit marinierter Grapefruit – eine Vollendung. Und so köstlich wie die Lektüre der Irrungen und Wirrungen der Herzen in Jane Austens Romanen.  
Der Todestag dieser brillanten Erzählerin jährt sich dieses Jahr übrigens zum 200sten Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Jane Austen's House Museum eine Online-Serie, die im Wochenrhythmus versucht, anhand von 41 Objekten dem Leben und Werk der viel zu jung verstorbenen Autorin auf die Spur zu kommen. Den Anfang macht ihr Schreibtisch – wie klein, für ein so großes Werk.

Syllabub 
4 Portionen

Zutaten
150 ml Weißwein, fruchtig
2 EL Zitronensaft
½ Biozitrone, abgeriebene Schale
40 g Zucker
2 dl Schlagsahne

Zubereitung
Alle Zutaten bis auf die Schlagsahne in einen kleinen Topf geben, kurz aufkochen, Hitze reduzieren und weitere 5 Minuten köcheln. Vom Herd nehmen, in ein kleines Gefäß leeren und vollständig abkühlen lassen. Am besten über Nacht im Kühlschrank.

Die Weinmischung in die kalte Sahne leeren und mit dem Mixer steif schlagen.
In Gläser füllen und mit abgeriebener Zitronenschale bestreuen. Sofort servieren oder nochmals für höchstens eine Stunde in den Kühlschrank stellen.


Marinierte Grapefruits

Zutaten
1,5 rosa Grapefruits, filetiert
Saft einer halben rosa Grapefruit
20 g Zucker
1 Stück Ingwer (10-20 g)
½ Vanilleschote, längs aufgeschnitten
1 TL Vanillezucker
1 EL gehackte Pistazien

Zubereitung
Den Grapefruitsaft, den Zucker, Vanillezucker, Ingwer und die Vanilleschote in einem kleinen Topf auf mittlerer Hitze erwärmen und ca. 10 Minuten kochen. Beiseite stellen. Das Ingwerstück entfernen.

Die Grapefruit filetiert man am besten auf einem Teller, damit der Saft nicht verloren geht.
Mit einem scharfen Messer oben und unten einen Deckel wegschneiden. Die Schale rundherum in Streifen von oben nach unten wegschneiden. Die weiße Schicht muss vollständig entfernt sein. Zum Schluss zwischen den Trennhäutchen die Filets herausschneiden.

Die Früchte samt dem Saft in eine Schüssel geben und mit dem aufgekochten Grapefruitsaft übergießen. Abkühlen lassen und am besten über Nacht im Kühlschrank mit Frischhaltefolie zugedeckt ziehen lassen.

Den Syllabub mit den marinierten Grapefruits auf einem Teller anrichten und mit Pistazien und Zitronenschale servieren.

Enjoy!

All IMAGES @ TableTales
Bild 1 rechts Porträt J. A. von Ozias Humphry, Bild 3 links Jane Austen's House Museum, 



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