2/16/2017

KRAUT UND RÜBEN

Die Tage werden länger, die Temperaturen bewegen sich endlich über Kühlschrankniveau. Trotzdem, kein Grund für Frühlingsgefühle, es ist erst Februar, mit anderen Worten, wir sind noch mitten im Winter! Unterstrichen wird diese Tatsache zusätzlich vom Saisonkalender, das kulinarische Angebot ist karg. Aber keineswegs langweilig! Das ist höchstens der Koch oder die Köchin ohne Einfälle. Nie um einen Einfall verlegen, war Marcella Hazan
Die Königin der cucina italiana verstand es, aus jeder noch so schlichten Zutat etwas Besonderes zu zaubern. Ihre legendäre Tomatensauce – genau, die mit der Zwiebel und der Butter – ist die beste; in ihrer Einfachheit unübertroffen. Doch von sonnengereiften Tomaten können wir momentan nur träumen – Saisonbeginn ist übrigens frühestens im Juni! – jetzt ist Zeit für Kraut und Rüben. 
Marcella Hazan kocht den Kohl alla veneziana. Weiß-, Rotkohl oder Wirsing wird in wenig Essig und seiner eigenen Flüssigkeit geschmort – sofegao ist das venezianische Wort für diese Garmethode. Nichts für Ungeduldige, das dauert, mindestens 1 1/2 Stunden, besser sind zwei. Genau die Zeit, die es braucht, um nebenbei einen Rote-Bete-Salat à la Hazan zuzubereiten. Im Grunde macht sich dieser Salat von selbst. Die rohen Randen kommen in den Ofen und dann kann man sie erst einmal für fast zwei Stunden vergessen.

Sind Kohl und Rote Bete gar, könnte man sich eigentlich schon bald an den Tisch setzen und genießen. Doch Marcellas Kohl lässt sich noch weiter verarbeiten. Zu riso e cavolo annegato, zu Reis mit ertränktem Kohl, profaner: zu einer Reis-Kohl-Suppe, die sich aber auch schnell in eine Art Risotto verwandeln kann, je nach Flüssigkeitszugabe und eigener Vorliebe.

Auch der Rote-Bete-Salat erlaubt kleine Spielereien wie beispielsweise geröstete Pinienkerne, wobei er, angemacht alleine mit Olivenöl, Salz und Essig bereits perfekt ist. Marcella Hazan schwärmt von einem der köstlichsten Salate, die es gibt. Zurecht, denn das intensive, leicht süßliche Aroma ist unvergleichlich und entsteht nur, wenn man die Rüben im Ofen gart.


Kraut und Rüben – zwei, die sprichwörtlich für Durcheinander stehen, entwickelten sich dank der Rezepte aus Marcella Hazans millionenfach verkauftem Bestseller Die klassische italienische Küche in meiner cucina zu einem harmonischen Nebeneinander, bzw. Nacheinander, als Vorspeise und Hauptgericht. „Normales Essen“ wäre womöglich Marcellas Kommentar. Jedenfalls war das ihre Antwort, als sie, lange bevor es ihre Bücher und Kochkurse gab, einmal gefragt wurde, was sie denn eigentlich zuhause koche...



Kohl nach venezianischer Art
nach Marcella Hazan für 6 Portionen

Zutaten
900 g Weißkohl (oder Rotkohl oder Wirsing)
8 EL gutes Olivenöl
50 g Zwiebeln, gehackt
1 EL gehackter Knoblauch
Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 EL Weinessig

Zubereitung
Die äußeren Kohlblätter entfernen und wegwerfen. 
Den restlichen Kohlkopf in sehr feine Streifen schneiden und ihn dabei drehen, bis nach und nach der Strunk zum Vorschein kommt. Den Strunk wegwerfen.

Das Olivenöl in einem großen Schmortopf auf mittlerer Stufe erhitzen und die Zwiebeln unter Rühren goldbraun anschwitzen. Den Knoblauch einrühren und ebenfalls etwas Farbe annehmen lassen. Dann den geschnittenen Kohl hinzufügen, zwei bis drei Mal gründlich durchheben. Wenn er zusammengefallen ist mit Salz und Pfeffer würzen und den Essig dazugeben. Den Kohl nochmals gründlich durchheben, die Temperatur auf kleinste Stufe herunterschalten und den Deckel fest auflegen. 

Den Kohl mindestens 1 1/2 Stunden garen, bis er sehr weich ist; während dieser Zeit gelegentlich durchheben. Kocht die Flüssigkeit zu stark ein, nach Bedarf jeweils 2 EL Wasser hinzufügen. 

Den fertigen Kohl mit Salz und Pfeffer abschmecken und vor dem Servieren einige Minuten stehen lassen.


Oder ihn im folgenden Rezept weiterverarbeiten:


Reis-Kohl-Suppe
nach Marcella Hazan für 4-6 Portionen

Zutaten
geschmorter Kohl (von Rezept siehe oben)
170 g Reis (möglichst italienischer Arborio-Reis)
25 g Butter
¼  l Kalbsfond mit ½  l Wasser verdünnt
6 EL frisch geriebener Parmigiano Reggiano
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung
Den verdünnten Kalbsfond zum geschmorten Kohl im Schmortopf geben und auf mittlerer Hitze erwärmen.

Sobald die Suppe kocht, den Reis hinzufügen. Im offenen Topf kochen und die Hitze so regulieren, dass die Suppe schwach, aber ständig brodelt.
Gelegentlich umrühren, bis der Reis gar, aber noch bissfest ist. Das dauert etwa 20 Minuten. Ist die Suppe zu dick, verdünnt man sie mit etwas Wasser. Die fertige Suppe soll aber ziemlich dick sein.

Wenn der Reis gar ist, die Hitze nicht gleich zurückschalten, sondern zuerst die Butter und den Parmesan sorgfältig einrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. In Teller geben und vor dem Servieren ein paar Minuten ruhen lassen und nach Belieben mit zusätzlich Parmesan bestreuen.


Rote-Bete-Salat (Randensalat)
von Marcella Hazan inspiriert

Zutaten
Rote Bete (pro Person etwa eine Rübe)
Rotweinessig
Olivenöl 
Salz
Pinienkerne, optional, Menge nach Belieben

Zubereitung
Den Ofen auf 200° C vorheizen.

Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Zugabe von Fett goldbraun rösten. Auf einen Teller geben und sobald sie abgekühlt sind, einen Teil davon mit einem Esslöffel zerquetschen.

Die Rüben kalt abwaschen und gut in Backpapier einwickeln und die Ränder gut verschließen. Das Päckchen in den oberen Teil des Backofens auf das Backblech legen. 

Die Garzeit beträgt je nach Größe der Rüben 1½ bis 2 Stunden.
Sie sind gar, wenn sie sich beim Einstechen mit einer Gabel weich, aber noch schnittfest anfühlen.

Sobald die Rüben abgekühlt sind, lässt sich die Haut abziehen.
In dünne Scheiben schneiden oder noch besser direkt auf einen Teller hobeln. Mit Salz, Pfeffer, Rotweinessig und Olivenöl abschmecken und zum Schluss nach Belieben mit Pinienkernen bestreuen.


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1/31/2017

ELF NASEN, NAGELLACKENTFERNER UND ADSTRINGENZ

Die klirrende Kälte und ein Blick auf die Uhr – huch, gleich acht! – beschleunigen meine Schritte Richtung Zürcher Freilager. Dort befindet sich Barbara Maeys schöne Weinhandlung Les Vignes — ich habe darüber berichtet.

Seit der Eröffnung des Ladens im Juni letzten Jahres, finden bei Les Vignes Veranstaltungen verschiedenster Art statt. Seien es Produzenten, die ihre Weine vorstellen, thematische Degustationen oder wie am heutigen Abend der beliebte und regelmäßig ausgebuchte Frauenweinclub
Einmal geht es um die 'Weinbegleitung – von der Vorspeise bis zum Dessert' oder der Fokus richtet sich auf 'Weißweine aus verschiedenen Regionen Europas'. Heute heißt es schlicht, aber vielversprechend: Rotwein.

Begrüßt werde ich von Barbara gewohnt fröhlich und warmherzig, die Minustemperaturen sind sofort vergessen und ich darf gleich Platz nehmen am langen, alten Holztisch, der mitten im Laden steht und mit appetitlichen Häppchen, vielen Gläsern, sowie mit Papier und Bleistiften gedeckt ist. Das sieht nach Vergnügen aus. Aber auch nach Arbeit!

Nach und nach bildet sich eine sympathische Tischrunde, insgesamt elf Frauen. Es wird geschwatzt, gelacht, und bevor es zum praktischen Teil übergeht, erklärt uns Barbara kurz den Ablauf des Abends.

Vier Mal zwei verschiedene Weine werden uns eingeschenkt. Keine Blindverkostung. Obschon es, laut Barbara, wohl die einzige Methode ist, um zu einem wirklich objektiven Urteil zu gelangen. Doch an diesem Abend soll das Bewerten nicht an erster Stelle stehen. Vielmehr wollen wir den Aromen und Geschmäckern auf die Spur kommen. Dabei werden wir auch merken, wie beeinflussbar wir doch alle sind. Wenn die Tischnachbarin "Pflaume!" ruft, selber aber dachte man doch eher an "Karamell", dann sinkt die Nase nochmals verunsichert und tief ins Glas, und man prüft, ob das eigene Riechorgan versagt hat. Nun, es braucht schon etwas Übung, sich im weiten Spektrum der Aromen zurechtzufinden. Erdbeere, Tabak, Pfeffer, Harz, Zimt, Veilchen, um nur einige zu nennen. Ja, selbst Nagellackentferner oder Stallgeruch fehlen nicht

Doch keine Bange, Barbara führt gekonnt durch das Geschmackslabyrinth der Rotweine und sie hat durchaus Verständnis für die weitverbreitete Sehnsucht nach dem runden, samtigen Tropfen, muntert aber gleichzeitig dazu auf, die Geschmacksnerven etwas herauszufordern und zu beobachten, wie sich die geschmackliche Wirkung verändert, beispielsweise in Kombination mit den unterschiedlichen Geschmacksqualitäten der Speisen wie Bitterkeit, Säure oder Umami. 
Selbst die gefürchtete Adstringenz, ein sensorischer Reiz der Zunge, der oft nach dem Genuss von jungen oder tanninhaltigen Weinen ein pelzig raues Gefühl im Mund hinterlässt, verstärkt oder vermindert sich, je nachdem, ob eine Speise süß, salzig oder scharf ist. 

Viele Faktoren sind hier im Spiel, dazu kommen die subjektive Wahrnehmung und persönliche Vorlieben. Den besten Wein für jeden und jede gibt es also nicht. Aber den Richtigen für sich zu finden ist durchaus möglich. Bei Les Vignes wird man auf jeden Fall fündig und mit dem erworbenen Wissen eines solchen Abends umso mehr!


Der nächste Frauenweinclub am 30. März 2017Thema: Schweizer Weine, ist ausgebucht! 
Zusatztermin wegen großer Nachfrage am 6. April 2017 (gleiches Thema). Direkte Anmeldung hier. Teilnehmerinnenzahl beschränkt! Kosten CHF 30.-.
Am 8. März 2017 heißt es degustieren – natürlich für Frauen und Männer! Thema: Weißweine und Rotweine unter CHF 25.-. 
Aktuelle und detaillierte Infos über alle Veranstaltungen auf les-vignes.ch. 

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1/05/2017

EINFACH WENIGER (oder Flocken II)

Vollgestopfte Kühlschränke? Anstrengende, mehrgängige Menüs? Zuviel Glühwein und Geschenke, Glitter und Glimmer? Oder sogar Glamour? Genug davon! Jetzt sehnen sich viele nach weniger, nach einfach. 
Ein Rezept, das diesem Anspruch gerecht wird, habe ich in Ursula Furrer-Heims Backbuch mit dem schlichten Titel Cake entdeckt. Genial einfach und schnell verspricht der Untertitel auf dem schwarzen Cover. Es stimmt! Auf meine Wahl, auf Großmutters Haferflocken-Cake, trifft das zu. Ohne viel Aufwand kommt ein zart duftender und durch die geraffelten Äpfel angenehm feuchter Kuchen aus dem Ofen. Ein purer Genuss – zu Tee und Winterlandschaft. 

Doch auch passend zu allen anderen Jahreszeiten versammelt das Buch eine bunte Mischung sehr unterschiedlicher von der Autorin in ihrer Babypause entwickelter Cake-Rezepte. Daneben eine Reihe Tipps und Tricks für ein perfekt gelungenes Gebäck aus der Kastenform. Das muss übrigens nicht immer süß sein. Oder man lässt den Ofen gleich mal weg. Ein Kapitel widmet sich Pikanten Cakes, ein anderes den kühlen Ungebackenen. Doch die gehören dem Sommer... Erst einmal genießen (oder überstehen) wir jetzt noch den Winter, mit Hafer- und Schneeflocken! Frohes neues Jahr!

Ursula Furrer-Heim: Cake. AT-Verlag. 144 Seiten. CHF 26.90.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag. 

Großmutters Haferflocken-Cake

Zutaten
2 rotschalige Äpfel
100 g weiche Butter
150 g Rohrzucker
3 Eier
160 g Mehl
80 g Haferflocken
2 TL Backpulver
1 Prise Salz

zum Bestreuen:
2 EL Haferflocken
2 EL Rohrzucker

Zubereitung
Den Backofen auf 180° C vorheizen.

Eine Cakeform von 30 cm Länge mit Backpapier auslegen.

Die Äpfel waschen, trocken reiben, entkernen und an der Röstiraffel (Kartoffelreibe) reiben. Die Apfelraspel mit den restlichen Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Schwingbesen des Handrührgeräts zu einem Teig verrühren. 

Den Teig in die vorbereitete Form geben und glatt streichen. Die Haferflocken und den Zucker darüberstreuen.

Den Kuchen in der unteren Hälfte des vorgeheizten Ofens circa 40 Minuten backen. Herausnehmen und in der Form auskühlen lassen.

Haltbarkeit: In Folie verpackt etwa 3 Tage.

Anmerkung: Weniger in Ehren, aber ein Klecks Schlagsahne gehört einfach auch noch auf den Teller!

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12/21/2016

FLOCKEN

Was Romeo, der Kater meiner Nachbarin, vor zwei Jahren ein wenig nachdenklich betrachtete – sein Revier sah plötzlich so anders aus – , soll uns dieses Jahr wohl nicht vergönnt sein. Es wird geklagt und tief geseufzt: Keine weißen Weihnachten in Aussicht! Tanzende Schneeflocken zur Bescherung muss man sich einmal mehr dazu denken. Oder man versucht es mit einer Alternative: Haferflocken. In Kombination mit Äpfeln und Zimt verbreiten sie als Apple Crumble ebenfalls sofort weihnachtliche Stimmung und sind äusserst beliebt. Ich kenne niemanden, der dem süßen Gericht aus dem Ofen widerstehen kann – bei uns bleibt auf jeden Fall nie auch nur ein Krümel übrig! Allen ein schönes Fest! 





Apple Crumble
2-4 Portionen

Zutaten
500 g Äpfel (z.B. Cox Orange – mein Lieblingsapfel)
1 EL Puderzucker
½ TL Zimt
Crumble:
50 g brauner Zucker
40 g Haferflocken
50 g Mehl
60 g Butter, weich
1 Prise Salz

Butter für die Form

Vanilleeis oder Schlagsahne, nach Belieben

Zubereitung
Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen, in 3-5 mm dicke Scheiben schneiden und in einer separaten Schüssel mit Puderzucker und Zimt vermischen.

Die Zutaten für den Crumble mit den Fingern verreiben oder mit einem Mixer (Handrührgerät) vermischen, bis eine krümelige Masse entstanden ist.

Eine Auflaufform buttern und die Äpfel darin verteilen. Danach die Crumble-Mischung darüber streuen und für 45 Minuten backen.

Warm servieren. Klassisch mit Vanilleeis. Ich liebe Schlagsahne dazu. Leider hatte ich gerade keine, Crème fraîche war ein guter Ersatz. Man muss flexibel sein... wie mit den Flocken...

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11/30/2016

A LA CAMPAGNE MIT CHRISTINA

Mit Christina Hubbeling, der frankophilen Food-Autorin aus Zürich, verbindet mich nicht nur die Liebe zu Frankreich. Es gab auch eine Zeit der Zusammenarbeit für die in der NZZ-Beilage „Z“ erschienenen Kolumne „Zu Tisch“. Christina schrieb, ich illustrierte. Ob zum Thema Rote Beete, Waldbeeren, Kaviar oder Topinambur, die kurzen, jeweils zur Jahreszeit passenden Artikel hoben die Besonderheiten des Produkts hervor und lieferten Ideen mit dem gewissen Etwas für die Verwendung in der Küche. Im „Stil“, dem Lifestyle-Magazin der „NZZ am Sonntag“ publiziert Christina zudem seit 2011 unter dem Titel „Christina Hubbeling kocht für Sie“ ihre Lieblingsrezepte. Aus einer Auswahl dieser Sammlung entstand schließlich ihr erstes Kochbuch Esprit de Campagne — eine Liebeserklärung an die französische Landhausküche.

Das französische Flair des Buches und der darin vorgestellten Gerichte kommt nicht von ungefähr. Seit ihrer Jugend fühlt sich Christina Hubbeling von Frankreich angezogen – es sei eine fast mystische Verbundenheit, schreibt sie im Vorwort, ganz besonders mit dem Burgund. Dort entstand auch ein Teil der stimmungsvollen Bilder der Fotografin Juliette Chrétien. Sie ziehen sich durch das ganze, sehr sorgfältig und liebevoll gestaltete Buch, verführen zum Schwelgen und Träumen vom französischen Landleben.

Für Christina Hubbeling ist das Leben auf dem Lande, la vie champêtre, allerdings kein Traum geblieben, sondern Wirklichkeit, zumindest teilzeitlich. Vor ein paar Jahren bot sich die Gelegenheit, mit Freunden ein altes Steinhaus im südlichen Burgund zu kaufen. Der ideale Ausgangspunkt kulinarische Schätze der Region und ihrer Umgebung zu entdecken. Zum Beispiel die Maronen der Ardèche.

Die Gegend südlich des Burgunds ist reich an Kastanienwäldern. Entsprechend oft verwendet Christina Maronen in ihrer Küche: Ein Pot au Feu mit Maronen, ein Maronenkuchen, ein Maronenrisotto oder die herrliche Maronensuppe mit einem Hauch Zimt, die letztes Wochenende bei unseren Gästen großen Anklang fand. Übrig blieb nichts — das schönste Kompliment! Ein wunderbares Rezept für kalte Tage. Und das nicht nur auf dem Lande, auch in urbanen Gefilden ganz einfach nachzukochen, denn man muss die Kastanien nicht erst im Wald sammeln. Man verwendet Tiefgefrorene, die es überall zu kaufen gibt. Ein raffiniertes Rezept, unkompliziert und entspannt, so wie man sich ein paar Tage auf dem Lande wünscht. Merci Christina!

Christina Hubbeling: Esprit de Campagne. AT-Verlag. 224 Seiten. CHF 49.90.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag.


Maronensuppe
nach Christina Hubbeling
4 Personen
 
Zutaten
1 Zwiebel
3 EL Olivenöl
500 g tiefgekühlte Maronen
200 ml Weißwein
700 ml Gemüsebouillon
1 Lorbeerblatt
150 ml Rahm (Sahne)
Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle
1/2 TL Zimtpulver
1/2 TL frisch geriebene Muskatnuss
100 g Speckwürfel nach Belieben
2 EL glatte Petersilie, fein gehackt
 
Zubereitung
Die Zwiebel schälen, hacken und im Olivenöl andünsten. Die Maronen zugeben, mit dem Weißwein ablöschen. Sobald der Wein eingekocht ist, die Gemüsebouillon und das Lorbeerblatt zufügen. Die Suppe circa 20 Minuten köcheln lassen, bis die Maronen ganz weich sind und fast zerfallen. Das Lorbeerblatt entfernen, dann die Suppe mit dem Stabmixer pürieren. Zum Schluss den Rahm unterziehen und die Suppe mit Salz, Pfeffer, Zimt und Muskat abschmecken.
Die Speckwürfel, sofern verwendet, in einer kleinen Bratpfanne anbraten. Die Suppe anrichten und die Speckwürfelchen sowie die gehackte Petersilie darüberstreuen. Dazu passt Roggenbrot.
 
Anmerkung
Da ich nicht gerne mit Rahm koche (mit wenigen Ausnahmen), habe ich Crème Fraîche verwendet. Statt mit Speckwürfel garniere ich die Suppe mit gehackten Maronen: Nach 15 Minuten Kochzeit fische ich einige Maronen aus der Suppe, pro Person 1-2 Stück.
Meine Suppe wurde ziemlich dickflüssig, fast schon ein Püree — ich liebe es so, doch das ist Geschmacksache und lässt sich gut nach Vorliebe variieren.
 
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11/23/2016

KÜCHENTISCHE, ZEICHENTISCHE

Ich werde immer wieder angefragt, ob es möglich ist, außer in meinen Kochtopf auch einmal einen Blick in meine Zeichnungsmappen zu werfen. Einige ausgewählte Arbeiten sind nun hier zu sehen.

irisschwarz.blogspot.ch


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11/15/2016

DER TELLER IST RUND, DAMIT...

Viele Köche verderben den Brei nicht immer! Zumindest nicht an den von der Zürcher Organisation Gemeinsam Znacht veranstalteten Kochabenden. Hier tragen alle etwas zum Gelingen bei – Gäste und Gastgeber gemeinsam.
Zum Westafrikanischen Kochabend begrüßt Martina Schmitz, die Gründerin von Gemeinsam Znacht, die Teilnehmenden mit einem Glas Weißwein – und bunten Schürzen, die wir gleich umbinden. Ein Küchenmesser haben wir auf Anraten mitgebracht.

An den langen Tischen in der gemeinnützigen Küche in einem charmanten Hinterhof im Kreis 4 kommt man beim gemeinsamen Kartoffel schälen, Zwiebel oder Maniok schneiden schnell und unkompliziert mit dem schnetzelnden Gegenüber ins Gespräch. Maniok? Exotisch anmutende Namen stiften Verwirrung. Unbekannte Gemüse oder Verpackungen und deren Inhalt lassen angeregt diskutieren und rätseln.

Derweil geht am Herd bereits die Post ab. Keine Spur von Verwirrung bei Antoinette und Blessing, den beiden Köchinnen und ihrem Team. Rezepte werden keine benötigt, das geht alles locker und fröhlich aus dem Handgelenk. Aus großen Kochtöpfen riecht es schon bald verheißungsvoll – anders, ungewohnt, neu.
Empfindungen, die Flüchtlinge täglich erleben, erleben müssen. Nicht nur beim Essen. 

Es gibt unzählige Situationen, es sind viele Geschichten. Und jeder der Menschen, die für uns ein Stück ihrer Heimat herbeikochen, hat eine eigene, ganz persönliche. Manche Geschichte bleibt im Verborgenen, zu schwer wiegt sie, andere berichten ausführlich, von Angst, von Flucht, von Hoffnung. Die Tränen aber in Armstrongs Augen beim Anblick eines Tellers Egussi, dem typischen Gericht seiner Heimat Nigera, erzählen mehr als alle Worte. Das sind berührende Momente eines sonst so entspannten und ausgelassenen Abends.


Für unsere westeuropäischen Gaumen ist Egussi, ein Eintopf aus Bitterkraut, Fleisch, getrockneten Krevetten und Fisch, eine wirklich neue Erfahrung, die uns an nichts Bekanntes anknüpfen lässt. Traditionell isst man dazu Banku, eine aus der Yamswurzel gekochte Maße, die man in die Soße eintunkt. Das sollte man mit viel Bedacht tun – Banku anzurühren ist Schwerstarbeit! Zeitweise mussten vier starke Arme anpacken. Das war eindrücklich.

Die Basis der senegalesischen Spezialität Maafe ist eine süß-scharfe Erdnusssoße, die uns geschmacklich vertrauter ist. Serviert mit verschiedenen Gemüsen harmoniert das Gericht wunderbar mit dem Yassa Chicken an einer Ingwermarinade. Dazu frittierte Plantains, die Kochbananen, die selten bei einem westafrikanischen Essen fehlen. So auch der Maniok, das Wurzelgemüse, das mich besonders interessiert. So oft habe ich die langen, braunen Knollen schon in der Gemüseabteilung gesehen und mich jedes Mal gefragt, was man damit eigentlich anstellt.

Die sehr stärkehaltige Wurzel, auch Yuca oder Cassava genannt, im Geschmack und in der Verwendung der Kartoffel sehr ähnlich, stammt ursprünglich aus Südamerika. Von dort gelangte die Pflanze im 15. Jahrhundert durch die Portugiesen nach Angola, viel später, erst im 19. Jahrhundert, auch nach Westafrika.
In unseren Breitengraden sind die Knollen mittlerweile auch problemlos erhältlich. Maniok-Rezepte hingegen, überhaupt westafrikanische Rezepte oder gar Kochbücher sind eher rar.

Eine ganz einfache Art mit dem Wurzelgemüse vertraut zu werden, ist die Zubereitung von Maniok-Chips – und für mich eine kulinarische Erinnerung an einen inspirierenden Abend, der alle auf irgendeine Weise bereichert hat. Gemeinsam Znacht, gemeinsam kochen, gemeinsam essen, gemeinsam sein, lässt über die Tellerränder blicken, oder frei nach Francis Picabia: Nicht nur unsere Köpfe sind rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann, auch unsere Teller, Pfannen und Kochtöpfe...

Der nächste Kochabend findet am 18. November 2016 statt. Dann heißt es Kurdisch Kochen!
Gemeinsam Znacht veranstaltet außerdem thematische Kochabende für Firmen, Organisationen oder Freundesgruppen (max. 20 Teilnehmer). Ausführliche Informationen über alle Projekte auf gemeinsamznacht.ch

Maniok-Chips

Zutaten
Maniok
Olivenöl
Fleur de Sel

Zubereitung
Den Maniok schälen und in 3 mm dicke Scheiben hobeln. Die Scheiben in einem Sieb 2-3 Minuten unter fließendem Wasser spülen, danach alle Scheiben auf einem Küchenpapier verteilen und trocken tupfen.

In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und die Scheiben beidseitig goldbraun braten. Nicht zu dunkel – sie werden sehr schnell sehr hart! Herausheben und auf ein Küchenpapier legen. Mit Fleur de Sel bestreuen.

Maniok nie roh verzehren! Die Wurzelknolle enthält Cyanide (Blausäure), die sich durch trocknen (Mehl), kochen, braten und frittieren verflüchtigen.
  
ALL IMAGES © TableTales und Markus Hugelshofer