10/21/2015

EINE HASSLIEBE

Es war einmal im sonnigen Kalifornien, da erwarb ein Briefträger namens Rudolph Hass in den 1920er-Jahren ein Stück Land und begann darauf in seiner Freizeit Avocadobaum-Setzlinge zu pflanzen, in der Hoffnung, daraus einen zusätzlichen Verdienst zu erzielen. Die Avocado war damals im Trend – Zeugnisse der aus Mexiko stammenden Frucht, botanisch eigentlich eine Beere, gehen aber schon über 10’000 Jahre zurück. 
Unter den Keimlingen, die Hass einem Züchter abgekauft hatte, befand sich offenbar eine zufällig entstandene Mutation, die einen erstaunlichen Baum wachsen ließ, behangen mit Früchten, die unter einer schwarz-violetten, dicken warzigen Haut, ein viel schmackhafteres und cremigeres Fruchtfleisch verbargen, als die bisher handelsübliche, dünnhäutig grüne Avocado Fuerte.
Eine neue Sorte war geboren – die Hass Avocado, benannt nach dem Namen des Postboten. Naja, bei der Wahl des Namens hätte er etwas kreativer, zumindest liebevoller sein können. Liz zum Beispiel, nach seiner, wie mir scheint, sympathischen Frau (1. Bild, rechts). Oder wieso nicht einfach Love? Denn die Hass wurde und ist eine der beliebtesten Sorten weltweit.

Von Südamerika über Spanien bis Israel wird sie heute ganzjährig in großen Mengen angebaut und geerntet – über 5 Milliarden Stück jährlich. Rudolph Hass selbst konnte von diesem Erfolg leider nicht profitieren – obwohl er "seine" Avocado patentieren ließ, verdiente er mit seiner Schöpfung insgesamt nicht mehr als $5'000. 1952, im Jahr als das Patent auslief, starb Hass erst 60-jährig an einem Herzinfarkt. Seine Frau trug in ihr Tagebuch ein: 
"[...] Told dad I'd go & get supper for the folks & be back. He didn't want me to. Wasn't using oxygen so much today. Then he said, "O.K.-I'm so tired. I'll sleep." So kissed him goodbye. He didn't say -"hurry back"- like he usually did. Got home & before coffee was done - Daddy was gone. Felt awful. I had been with him so much. Just sat & held hands. […]".* 
Berührend – es scheint, Herr und Frau Hass waren zeit ihrer Ehe in Liebe verbunden.

Ein harmonisches und glückliches Liebespaar bildet auch diese Avocadocreme, angereichert mit Sesam und dick aufgestrichen auf einem frischen, knusprigen Brot, wie man es nur bei John Baker am Bahnhof Stadelhofen in Zürich bekommt! Best bread in town!



Sesam-Avocadocreme

Zutaten
300g Avocado-Fruchtfleisch
1 EL Limettensaft (oder Zitrone)
1 EL griechischer Joghurt
3 EL geröstete Sesamsamen
3-4 Zweige Dill, ohne Stiele fein geschnitten
Salz und Pfeffer
geröstete Sesamsamen zum bestreuen

Die Mengenangaben dienen als Anhaltspunkte, je nach Vorliebe fügt man von den einzelnen Zutaten mehr oder weniger bei.

Zubereitung
Die Sesamsamen in einer beschichteten Pfanne ohne Zugabe von Öl rösten.
In einem tiefen Teller das Avocado-Fruchtfleisch mit einer Gabel zerdrücken, die restlichen Zutaten dazu geben und alles cremig verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit einem Gummischaber die Masse auf einem Teller anrichten und großzügig mit Sesamsamen bestreuen.
Schmeckt zu jeder Tages- und Nachtzeit – Liebe eben!


ALL IMAGES © TableTales
Bild 1, rechts via californiaavocado.com
*en.wikipedia.org

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