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10/16/2020

DER KOMPARATIV UND EINIGE SUPERLATIVE

Hinter fremden Zäunen soll ja so manches besser sein. Das Gras, die Kirschen; grüner, süßer. Generell ist dort alles größer, das Haus, das Auto, der Kürbis. Und die Gartenparties! Um Welten glamouröser. Das Nachbarsleben, ein einziger Komparativ.


Spähe ich rüber in den Garten unserer Anrainer, finden sich auch dort gute Gründe, neidisch zu sein: Ein gut besuchtes Bienenhotel, blühende Seerosen, ein wild wuchernder Lavendel – und on top, ein Superlativ: Der prächtigste Feigenbaum, zurzeit behangen mit den saftigsten und reifsten Früchten – die Hauptzutat für ein Rezept, das ich schon seit einigen Wochen geistig mit mir rumschleppe.

Damit war letzte Woche Schluss. Endlich konnte ich zur Tat schreiten, dank weltbester Nachbarn, die mir eine Riesenschüssel ihrer frisch gepflückten Feigen in die Hände drückten. Gleichen abends köchelte das besagte Rezept schon auf meinem Herd: ein Feigenchutney. Übrigens nicht besser als andere Chutneys, aber eindeutig das Beste!



Feigenchutney


Zutaten

3 EL Olivenöl

100 g rote Zwiebeln, geschält und in dünne Scheiben geschnitten

1/2 TL Chiliflocken (wer eine gewisse Schärfe mag, sonst weglassen)

350 g frische Feigen, je nach Größe der Früchte längs vierteln oder achteln 

100 g Apfel, geschält und in kleinere Stücke geschnitten

15 g Rohrohrzucker*

15 g Kokosblütenzucker*

1 EL Balsamico

3 EL Apfelessig

1 EL Sherry dry

Salz

Pfeffer aus der Mühle

1 Zimtstange

1 Anisstern

im Mörser:

Samen einer Kardamomkapsel

1-2 Nelken


*Zur Not geht natürlich auch normaler, weißer Zucker.


Zubereitung

Die Kardamomsamen und Nelken im Mörser zerkleinern. Balsamico, Apfelessig und Sherry in einem Glas vermischen.


In einem Schmortopf Olivenöl auf mittlerer Stufe erwärmen. Die Zwiebelringe glasig dünsten, nicht rösten, dann die Chiliflocken dazu geben, nach einigen Minuten den Zucker hinzufügen, verrühren und leicht karamellisieren. Mit dem Essig-Sherry-Mix löschen, etwas einkochen, Gewürze beifügen und mit Salz und Pfeffer abschmecken, verrühren, dann Feigen und Äpfel dazugeben, vermengen und 5 Minuten zugedeckt auf mittlerer Hitze köcheln. Den Deckel entfernen und weitere 40 Minuten marmeladenartig einkochen, Hitze evtl. etwas reduzieren, hin und wieder umrühren.


Die Masse in ein Glas/Gefäß abfüllen.


Bei dieser Menge ist Einmachen vergebene Mühe, das Chutney wird nicht lange überleben… wie gesagt, es ist das Beste... Dieser Superlativ ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Es gibt so viele verschiedene Feigenchutneys, der Varianten und Vorlieben sind fast keine Grenzen gesetzt. 


Zu Ziegen- oder Schafskäse eine Delikatesse.


ALL IMAGES © TableTales


 

11/08/2016

SANFTE KNOLLEN

Es gibt Rezepte, die probiere ich einmal aus und danach nie wieder. Selbst wenn sie gelingen und gut schmecken, sie schaffen es nicht in mein persönliches Kochrepertoire und gehen vergessen. Andere prägen sich ein und werden zu Lieblingsrezepten. Irgendwann kann ich sie auswendig. So auch das Rezept für die Topinambur-Creme von Tom Franz. Sein Kochbuch So schmeckt Israel habe ich bereits im letzten Post vorgestellt. Ein Nachtrag. Der jetzt gut passt, denn: So schmeckt Herbst!
Manch einem schlägt die Jahreszeit zwar aufs Gemüt, ihre kulinarische Vielfalt ist jedoch unübertroffen und zeigt sich nicht nur über, sondern auch unter der Erde. Als Wurzelgemüse, das sich wieder großer Beliebtheit erfreut.
Eine Sorte, erkennbar als hellbraun bis altrosa gefärbte, oft bizarr geformte Knollen, heißt Topinambur. Bekannt auch als Jerusalem Artischocke. Das deutet auf ihr Aroma hin, nicht aber auf ihre Herkunft, die in Nord- und Mittelamerika liegt. Von da gelangte die Wurzel, die botanisch zur selben Gattung gehört wie die Sonnenblume, bereits im 17. Jahrhundert nach Europa. Die treffende Bezeichnung der Italiener, girasole-articcioco (Sonnenblumen-Artischocke) mutierte allerdings mangels Italienischkenntnissen der Engländer fantasievoll zur Jerusalem artichoke und setzte sich als Namen bis heute durch.


Wie dem auch sei. Hauptsache, die Artischocke ist dem Namen erhalten geblieben. Die sanfte Geschmacksnote von Topinambur, die tatsächlich angenehm an Artischocken erinnert, macht aus den knorrigen Erdgesellen eine Delikatesse. Und mit wenigen, ergänzenden Zutaten zu einer cremigen Köstlichkeit. 
Tom Franz kombiniert dazu Fisch, beträufelt mit Petersilienöl... Das harmoniert. Doch es geht auch solo. Die Creme ist mehr als nur Beigemüse oder Begleitung. Auch pur ist sie ein Leckerbissen. Für Vegetarier und Veganer ohnehin – und für Herbstmelancholiker ein Trost. Zart, weich und wärmend.



Topinambur-Creme
nach Tom Franz
2-3 Portionen

Zutaten
400 g Topinambur
100 g mehlig kochende Kartoffeln
75 ml  Olivenöl
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung
Topinambur und Kartoffeln schälen und in gleich große Stücke schneiden.
In einem Topf Salzwasser zum Kochen bringen und Topinambur und Kartoffeln weich kochen. Ca 20 Minuten. Das Wasser abgießen.
Topinambur, Kartoffeln und Olivenöl in den Food Processor geben, salzen, pfeffern und alles pürieren. Wer einen Stabmixer verwendet, arbeitet das Öl nach und nach ein.

Ich gebe die Creme anschließend in einen Topf und wärme sie nochmals auf kleinster Stufe.
Falls wider Erwarten etwas übrig bleibt, schmeckt der Seelentröster auch am nächsten Tag wunderbar!


ALL IMAGES @ TableTales

10/13/2015

INDIAN SUMMER VOM BLECH

Es gab Zeiten da waren Rüben einfach orange, seit ein paar wenigen Jahren sind sie bunt. Wieder bunt, denn alte Sorten sind es, die wieder entdeckt und angebaut werden – ausgestattet mit einer Farbpalette von weiß bis dunkelviolett. Ein Karotten-Regenbogen sozusagen, der mittlerweile nicht nur auf Bio- oder Bauernmärkten, sondern auch im Supermarkt um die Ecke erhältlich ist. Vielleicht eine Modeerscheinung, aber allemal hübsch, besonders wenn der Hochnebel wieder einmal grau drückt, bringen diese Rüben ohne viel Aufwand etwas Farbe ins Leben und auf den Tisch. 






Geröstete Honigrüben

Zutaten
500g bunte Rüben
(selbstverständlich kann man auch eine Farbe verwenden)

Marinade:
4 EL Olivenöl
1/2 TL Zimt, gemahlen
1TL Curry, gemahlen 
1/4 TL Kurkuma, gemahlen
Samen einer getrockneten Chili-Schote (wer mag)
1 EL Honig, wenn möglich flüssig
Salz
Pfeffer
frischer Koriander

Zubereitung
Den Ofen auf 190°C-200°C vorheizen.
Die Rüben schälen und längs halbieren oder vierteln, je nach Dicke der Rübe.
In einem länglichen Gefäß die Zutaten der Marinade verrühren, die Rüben dazugeben und gut mit der Mixtur vermischen.
Ein Ofenblech mit Backpapier auslegen, die Rüben darauf verteilen und das Blech für 30 Minuten in den Ofen schieben.
Mit etwas Couscous, griechischem Joghurt und frischem Koriander anrichten und mit der Marinade, die auf dem Backpapier zurückbleibt, beträufeln.
So schön kann der Herbst sein!

ALL IMAGES © TableTales