Posts mit dem Label Kichererbsen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kichererbsen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

6/21/2016

SALVE, ICH BIN GANZ ÖHRCHEN!

Die kleine, fünftägige Reise nach Apulien hat mir einmal mehr gezeigt, wie reizvoll es sein kann, kurz entschlossen das Köfferchen zu packen und abzureisen. Ja, ohne vorher bereits sieben Reiseführer gelesen zu haben, und ohne das daraus erstellte, durchgetaktete Reisekonzept im Gepäck. Spitzfindige werden nun behaupten, kein Konzept sei auch ein Konzept. Richtig, aber ein entspanntes, denn es hat wunderbar funktioniert und wie von Zauberhand wurden wir so an die schönsten Orte geführt. 
So geschehen am zweiten Tag, in Bari. Die Hauptstadt Apuliens liegt ungefähr 75 km von unserem Ausgangspunkt in der Nähe von Cisternino entfernt. Nähert man sich über die autostrada der Hafenstadt, geht es los mit den Ausfahrten. Es gibt scheinbar unzählige, uscita Bari dies, uscita Bari das – wir wählen nach Gefühl und erreichen schnurstracks das centro, parken mühelos (das Glück des Vorsaison-Reisenden!) und schlendern Richtung Altstadt, erst am Meer entlang, dann über eine Treppe hinein ins Straßengewirr.

Vorbei an Kirchen, unter bunter, abenteuerlich über die Gassen aufgehängter Wäsche durch, vorbei an Plastikblachen, die vor kleinen Balkonen für immer provisorisch montiert sind, vorbei an hohen, verschlossenen Fensterläden – die junge Sophia Loren aus den sechziger Jahren könnte ohne Weiteres um die Ecke kommen, die Kulisse würde immer noch passen. 
Doch statt der Filmschönheit steht plötzlich ein Kastell, das Castello Svevo di Bari vor uns. Ein Touristenführer erzählt einer deutschen Gruppe die dazugehörige Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau, von Prinzessinnen und Kaisern, während wir weiter spazieren und magisch angezogen sind von zwei Torbogen, einem höheren und einem niedrigeren, die jeweils in eine Gasse führen.

Der eine in die via arco alto, der andere in die via arco basso. Hier sitzen sie, vor ihren Hauseingängen an kleinen Küchentischen: die Pasta-Ladies. Hier kneten, rollen, formen sie, tagein, tagaus, manche schweigsam, andere munter plaudernd oder sogar fröhlich singend: die orecchiette. Die „Öhrchen“, neben anderen Sorten die wohl bekannteste Pasta Apuliens.


Die flinken Frauenhände, von jahrelanger Arbeit und südlicher Sonne gezeichnet, zaubern aus der Hartweizenmehlmasse die typisch geformten Teigwaren dermaßen schnell, dass man kaum mitkriegt, wie so ein einzelnes orecchietti eigentlich entsteht.


Wieder zu Hause in Zürich möchte ich es ausprobieren. Ein verregnetes Wochenende lag ohnehin vor mir, genügend Zeit also zum üben. Und staunen, denn nach ein paar Anfangsschwierigkeiten, sprich unförmigen – oder fantasievollen, wie man’s nimmt – Teiggebilden, läuft es plötzlich rund und mein Brett füllt sich rasch mit wohlgeformten Öhrchen. 
Die Damen von Bari arbeiten mit einem stumpfen Messer. Ich habe meine eigene Methode entwickelt, ich nenne sie Daumen-Daumen-Technik, d.h., statt mit dem Messer streiche/reibe ich das Teigstückchen mit dem einen Daumen auf das Holzbrett und stülpe es anschließend über den zweiten Daumen, wodurch es die typische Öhrchenform erhält. 

Verständlicherweise lag mein Fokus eindeutig auf der Herstellung der orecchiette, so geriet die Soße etwas in den Hintergrund. Vorsorglich hatte ich aber bereits einen sugo al pomodore vorbereitet, der einfach immer passt. Wem das zu simpel ist, der versucht eine Variante mit ceci, Kichererbsen – die Hülsenfrüchte kommen in Apulien häufig zum Einsatz. Und wer es ganz klassisch mag, serviert die Pasta natürlich mit cima di rapa, Stängelkohl, der allerdings gerade jetzt in den Sommermonaten keine Saison hat. Das ist die Gelegenheit, eigene Kreationen auszuprobieren. Dasselbe gilt für die Herstellung der orecchiette, man muss seine eigene Methode finden – ich bin sicher, keine der eindrücklichen Frauen der Pasta-Straßen hätte etwas dagegen.


Frische Orecchiette
Für 2 Personen

Zutaten
200 g Semola di grano duro (Hartweizendunst)
(In der Schweiz: Das Knöpflimehl von Coop ist ideal)
eine Prise Salz
1 dl lauwarmes Wasser

Zubereitung
Auf einem Holzbrett oder in einer Schüssel das Knöpflimehl mit dem Salz vermischen, in die Mitte eine Vertiefung drücken, das Wasser dazu geben und von Hand zu einem homogenen, geschmeidigen Teig verkneten. In Frischhaltefolie einpacken und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Ein Holzbrett mit etwas Mehl bestreuen. Den Teig nochmals durchkneten, ein Stück abschneiden und daraus eine Rolle mit einem Durchmesser von ca. 1 bis 1,5 cm formen. Davon ca. 1 bis 1,5 cm lange Stückchen abschneiden und diese jeweils mit dem einen Daumen auf das Brett streichen. Dadurch rollt sich das Teigstückchen zusammen. Etwas aufrollen und mit der Unterseite über den anderen Daumen stülpen. So entsteht die typische Form mit der aufgerauten Seite nach oben und dem verdickten Rand, ähnlich einem Hütchen, oder eben einem Öhrchen.
Es klingt umständlich, einfach ausprobieren und plötzlich geht es wie von alleine.

Die geformten orecchiette fortlaufend auf ein zweites Brett oder Backpapier legen, damit genug Arbeitsfläche frei bleibt.

In einem großen Kochtopf gesalzenes Wasser zum kochen bringen.
Die orecchiette vorsichtig hinein geben und al dente kochen, abgießen, gut abtropfen lassen und mit der Lieblingssoße mischen –  ich träume dabei schon von meiner nächsten Reise nach Apulien...

ALL IMAGES @ TableTales

7/22/2015

EINE REISE MIT YOTAM

An alle hier Gebliebenen, die ihre Ferien am See, auf dem Balkon oder unter großen Bäumen in einem schattigen Park verbringen: Ist es nicht herrlich? Was für ein Juli! Ein scheinbar endloser Sommer! Zürich als Feriendestination. Sollte dennoch zwischendurch ein Anflug von Fernweh aufkommen, lässt man sich ganz einfach durch Düfte und Aromen in andere, fremde Länder zaubern. 


Mit Rezepten von Yotam Ottolenghi gelingt das hervorragend! Der Stern am Londoner Küchenhimmel versteht es geschickt und modern mit Aromen zu spielen und zu verführen, ohne dabei das Traditionelle und Überlieferte an einem Rezept aus den Augen zu verlieren.


Über Yotam wurde und wird viel geschrieben – eine schöne, kulinarische Erfolgsgeschichte. Offenbar nicht unverdient. Eine Freundin war kürzlich in London und konnte einen begehrten Platz in einem seiner – ich glaube mittlerweile drei – Restaurants ergattern. Tatsächlich, was serviert wurde, war zum niederknien. Ein Fest der Aromen!
Sein Kochbuch Jerusalem ist ein Fest fürs Auge! Beim durchblättern blieb ich am Rezept Fleischbällchen mit Dicken Bohnen hängen. Ich hatte gerade keine Dicken Bohnen in Reichweite, dafür hatte ich am Vortag Kichererbsen eingelegt. Ohne genauen Plan: „Morgen mache ich irgendwas mit Kichererbsen“.


So ergab sich das eine mit dem anderen und die Reise führte mich erst zum Markt auf dem Zürcher Bürkliplatz (Dienstag und Freitag von 6-11h), vorbei an Thymian, Dill, Rosmarin, Basilikum, Varianten von Minze und duftenden Zitronen...

...dann umsteigen, inspiriert von Ottolenghis Rezept, Richtung Osten, Naher Osten, Mittlerer Osten... heraus kamen wunderbar würzige Hackbällchen, dazu leicht zitronige Kichererbsen und damit wirklich kein Zweifel mehr besteht, dass wir im Orient gelandet sind, noch einen Schuss Tahina dazu. Alternativ würde auch griechischer Joghurt passen... improvisieren ist erwünscht. Gerade auf Reisen! Der detaillierte "Reisebericht" inklusive Zutaten findet sich, wie gehabt, im Anschluss an die Bilder.




Würzige Hackbällchen mit Kichererbsen und Tahina

Eine Variante nach Yotam Ottolenghi
Ergibt ca. 15 Fleischbällchen

Zutaten
Kichererbsen:
200g Kichererbsen, getrocknet
5 Knoblauchzehen, in feine Scheiben geschnitten
3 EL Zitronensaft
300-400 ml Bouillon
Salz und Pfeffer
Fleischbällchen:

300g Rinderhackfleisch (vom Metzger frisch durch den Fleischwolf gedreht)
150g Lammhackfleisch (vom Metzger frisch durch den Fleischwolf gedreht; wer kein Lamm mag, verwendet nur Rind)
1 mittelgroße Zwiebel, fein gehackt
120g Semmelbrösel (die Allerbesten in der Stadt Zürich gibt es bei der Metzgerei Reif)
je 2 EL, frisch und gehackt:
-glatte Petersilie
-Minze
-Dill
-Koriander
plus je ½ EL zum Bestreuen
2 große Knoblauchzehen, zerdrückt und fein gehackt
1 EL Baharat Gewürzmischung (Rezept siehe unten)
1EL gemahlener Kreuzkümmel
2TL Kapern, gehackt
¾ TL Salz
reichlich Pfeffer
1 Ei, verquirlt

Zubereitung
Am Vorabend die Kichererbsen waschen und in einer Schüssel in mindestens doppelt so viel Wasser einweichen.
Am nächsten Morgen das Wasser abgießen und nochmals gut spülen. Mit dem Backnatron in einer hohen Pfanne oder Kochtopf unter starker Hitze ca. 5 Minuten verrühren. 1,5 l Wasser dazu gießen, zum Kochen bringen und Schaum abschöpfen wenn nötig. Die Kochzeit beträgt plus/minus 20 Minuten. Die Kichererbsen sollten dann weich, aber nicht matschig sein.
Die Kichererbsen in einem Sieb abgießen, mit kaltem Wasser abspülen, dann abtropfen und abkühlen lassen.
Ein sauberes Küchentuch ausbreiten, die Kichererbsen darauf verteilen, mit den Händen leicht reiben, so lösen sich die Häutchen. Diese entfernen und die Kichererbsen in einer Schüssel beiseite stellen.
Alle Fleisch-Zutaten mit sauberen Händen gut vermengen und tischtennisballgroße Kugeln formen.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Fleischbällchen portionsweise rundum braun anbraten – die Kugeln sollen nicht zu eng in der Pfanne liegen. Herausnehmen, neues Öl erhitzen und die nächste Portion Fleischbällchen anbraten und mit den anderen beiseite stellen.
Die Pfanne mit Küchenpapier ausreiben und das restliche Öl in der gleichen Pfanne erhitzen, die Knoblauch-Scheibchen ca. 3 Minuten bei mittlerer Hitze anschwitzen, nicht bräunen.
Nun die Kichererbsen, 2 EL Zitronensaft, 100 ml Bouillon, 1/4 TL Salz und Pfeffer dazugeben und zugedeckt 10 Minuten bei geringer Hitze garen.
Die Fleischbällchen dazugeben, die restliche Brühe angießen und weitere 25 Minuten bei geringer Hitze köcheln.
Die Fleischbällchen saugen viel Flüssigkeit auf, deshalb darauf achten, dass nach dem garen noch genügend Sauce vorhanden ist.
Das Gericht etwas ruhen lassen. Vor dem Servieren den restlichen Zitronensaft und die Kräuter unterrühren.
Mit Tahina (Rezept siehe unten) oder griechischem Joghurt servieren, ein Schuss Olivenöl, Pfeffer und noch etwas glatte Petersilie fürs Auge.
Bei uns gab es dazu frisches Weissbrot und einen Tomatensalat mit Zwiebeln und frischem Koriander – gute Reise!


Baharat Gewürzmischung

Zutaten
1 TL schwarze Pfefferkörner
1 TL Koriandersamen
1 kleine Zimtstange, grob gehackt
1/2 TL Gewürznelken
1/2 TL gemahlenes Piment
2 TL Kreuzkümmelsamen
1 TL Kardamomkapseln
1/2 geriebene Muskatnuss

Zubereitung
Alle Zutaten in einer Gewürzmühle fein mahlen.
Es geht auch mit dem Mörser, ist aber ein Kraftakt.



Tahina, angemacht

Zutaten
2 dl Tahina
1 Knoblauchzehe
1-2 EL frisch gepresster Zitronensaft
1/2 TL Salz
1.5 dl Eiswasser

Zubereitung
Alle Zutaten im Food Processer (oder mit einem Pürierstab) zu einer dickflüssigen, cremigen Masse mixen und in ein verschliessbares Gefäß abfüllen.


ALL IMAGES © TableTales