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12/10/2018

UMWEGE

Wieder einmal bestätigt sich: Die Wege, sie führen alle nach Rom – zumindest nach Italien. 
Auch die Umwege. 
Mein kulinarischer Abstecher unlängst, ins Strudelparadiesnach Wien, war wohl – unter anderem – auch ein solcher Umweg.
Oder anders gesagt: Über den Strudelteig fand ich endlich(!) zum Pastateig. 
Auf der Fahrt dahin saß auf dem Beifahrersitz Claudio Del Principe. Sozusagen. Nicht wirklich, dafür aber sein großartiges Buch a casa, indem ich wieder einmal blätterte, nachdem sich meine ursprüngliche Angst vor Strudelteig in Luft aufgelöst und später in Übermut verwandelt hat: Wenn ich einen Teig ziehen kann, dann kann ich doch auch Ravioli herstellen. Ob diese Schlussfolgerung tatsächlich einer Logik entsprach, musste ich natürlich sofort herausfinden.
Hilfsbereit und geduldig hielten mir Claudios Buch sowie Marcella Hazans Kochbibel Händchen, während ich frische Eier in einer Mulde Mehl verquirlte, den Teig knetete und schließlich meine allerersten Ravioli, präziser Mezzalune, formte. Daraus wurde ein in Butter und Salbei geschwenktes Erfolgserlebnis. Ein Wort: Glück. 








Frische gefüllte Pasta – ein Einstiegsrezept 
Vier Personen

Zutaten
Teig

300 g Weißmehl (ideal ist das italienische Weizenmehl Typ 00)
3 Eier
(Auf 100 g Mehl kommt ein Ei, je nach Größe des Eis kann die Mehlmenge etwas variieren.
Kein Salz, kein Öl.)

Füllung
100 g Ricotta

Zum Servieren
frische Salbeiblätter
Butter
Salz
Pfeffer aus der Mühle
frisch geriebener Parmesan

auch: grob gehackte Walnüsse

Zubereitung

Das gesiebte Mehl auf einer sauberen glatten Arbeitsfläche zu einem Berg anhäufen und in der Mitte eine Mulde formen. Darauf achten, dass die Mulde genügend groß ist, damit die Eier nicht überlaufen. Ist mir einmal passiert – Desaster! Die Eier in die Mulde hineinschlagen und mit einer Gabel vorsichtig verquirlen. Nun das Mehl nach und nach einarbeiten. 

Sobald Mehl und Eier sich zusammengefügt haben, fängt man an, den Teig zu kneten, auch wenn man erst denkt, das wird doch nie was!, drückt ihn mit den Handballen flach, faltet ihn zusammen und drückt ihn wieder flach, knetet usw. Ungefähr 10 Minuten, bis ein schöner elastischer Teig entstanden ist. Nicht zu trocken, nicht zu feucht. Eine Kugel formen, in Frischhaltefolie verpacken und bis zur Weiterverarbeitung mindestens 30 Minuten ruhen lassen, bei Raumtemperatur. Noch besser sind 12 Stunden (laut Claudio bis zu 36 Stunden), dann aber im Kühlschrank.

Ist die Zeit um, geht es los mit Auswallen. Am besten man arbeitet in Etappen. Ein Viertel des Teiges – den Rest wieder in die Folie einpacken, damit er nicht austrocknet – auf einer bemehlten Arbeitsfläche mit der Hand leicht flach drücken und mit dem Wallholz nach und nach, dünner und dünner auswallen. Den Teig dabei drehen und wenden, mit Mehl arbeiten, damit er nicht klebt, bis er so dünn ist, dass die Unterlage durchschimmert.
Nun gibt es unzählige Möglichkeiten (und wahrscheinlich auch Gesetze) die Teigwaren zu formen. Für meine Mezzalune habe ich mit einer runden Ausstechform, Durchmesser 8 cm, Rondellen ausgestochen, in die Mitte einen Teelöffel Ricotta gegeben, die Hälfte des Randes etwas mit Wasser befeuchtet und die andere Hälfte darüber geklappt und mit den Fingerkuppen gut verschlossen. Auf eine bemehlte Fläche legen und mit einem Baumwolltuch bedecken, bis alle Teigwaren geformt sind.
In einer weiten Pfanne Butter schmelzen, einzelne Salbeiblätter dazugeben. 
In einem großen Kochtopf die Ravioli in siedendem (nicht kochendem!) Salzwasser etwa 4 Minuten ziehen lassen. Mit einer Schaumkelle in die Salbeibutter geben, durchschwenken und servieren.

Mir gefällt das Rezept so gut, weil die Zutaten so schlicht sind, wie die Gerätschaft, die man für die Herstellung dazu braucht. 
Mehl, Eier, Ricotta. Eine Arbeitsfläche, ein Wallholz, eine Ausstechform. 
Und geduldige Hände.

ALL IMAGES @ TableTales

10/30/2017

ISS NICHT ZU VIEL AUSWÄRTS!

In meinen Händen halte ich das neue Kochbuch von Claudio Del Principe: a casa. Ich gebe zu, ein wenig überdrüssig von den vielen Kochbüchern, die fast täglich auf den Markt gespült werden, blättere ich nur kurz durch. Und halte dann doch inne. Auf der letzten Seite. Diese ziert ein Foto, das ich lange betrachte. Es berührt mich, es weckt Erinnerungen. Der Autor steht neben seinem neunzigjährigen Vater, der ihm, wie da steht, schon immer den Rat gab, nicht zuviel auswärts zu essen. „Du ruinierst dir den Magen. Nirgends isst du besser als zuhause.“

Mein Vater erreichte dieses hohe Alter leider nicht, aber die Worte könnten die seinen sein. Als Kind ärgerte ich mich darüber, denn die anderen gingen ins Restaurant. Wir aßen zuhause. Später hatte ich meine Auswärtsphase, die sich aber längst ausgewachsen, ausgegessen, hat. Mein Vater hatte recht. Zu oft verließ und verlasse ich Restaurants enttäuscht, zumindest ernüchtert. Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch. Klar, auch zuhause bin ich manchmal unzufrieden. Aber ich weiß dann wenigstens warum. Die Zutaten waren nicht sorgfältig ausgesucht. Oder ich habe nicht genügend Zeit investiert – wie Claudio schreibt: „die wertvollste Zutat“.

Widmet man dem Essen Zeit, entsteht daraus automatisch die zweite wichtige Zutat: Liebe. Diese ist denn auch auf allen Seiten des sorgfältig gestalteten Buches zu spüren und zu finden. Für fast jeden Tag des Kalenders eine Portion Amore. Sei es als herbstlicher Risotto oder zartes Lammragout; als Pane pugliese oder einer Spuma di Ricotta.
Und wie könnte es anders sein, als Pasta. Viel Pasta. Claudio verführt gnadenlos mit einer Fülle von wunderschönen Rezepten. Die Herstellung des Pastateiges, egal an welchem Wochentag, beschreibt er als Fest. Als Akt der Hingabe, aber auch der Demut, denn – wie beruhigend – bis man die perfekte Sfoglia, das Teigblatt in der Größe eines Leintuchs hinbekommt, brauche es Jahre. Er sei meilenweit davon entfernt. Nun ja... Wo bitte bin dann ich? Lichtjahre entfernt. Auf dem Mond. Kein Grund aufzugeben: „Sie schaffen das!“ ermutigt er entspannt. Überhaupt, das ganze Buch, die Sprache, die Bilder, alles wirkt unangestrengt. Einfach normal. Als würde man in Claudios Küche sitzen, während er hübsche Cappelletti formt und dabei erzählt. Kleine Geschichten, Anekdoten, auch einmal einen charmanten Witz.

Mit diesem Kochtagebuch bleibt keine Zeit für auswärts – für ein ganzes Jahr lang nicht. Ich freue mich darauf und habe bereits begonnen: Orecchiette mit Mangoldsugo. Den „brutal knusprigen Guanciale“ habe ich zwar weggelassen, dafür umso mehr Pecorino darüber gehobelt. Wahrlich, ein Fest! Und das an einem Montag. 
Grazie mille Claudio! Ach ja, und ein Hoch auf unsere Väter.

Claudio Del Principe: a casa. AT Verlag. 320 Seiten. CHF 49.90.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Orecchiette mit Mangoldsugo

4 Personen

Zutaten
500 g Mangold
Olivenöl extra vergine
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
1 Peperoncino, entkernt, fein geschnitten
200 ml passierte Tomaten
1 gekochte Kartoffel
feines Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
200 g Guanciale, in 3 cm lange und 5 mm dicke Streifen geschnitten
400 g gekaufte hochwertige Orecchiette
Pecorino, gerieben


Zubereitung
Die Mangoldblätter abbrausen. Die weißen Rippen in 1 cm große Würfel schneiden. Die Blätter zweimal falten und in Streifen schneiden. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen. Mit dem Knoblauch und dem Peperoncino aromatisieren. Den Mangold dazugeben und so lange dämpfen, bis er zusammenfällt. Die passierten Tomaten dazugeben, mit etwas Wasser verdünnen und zugedeckt 40 Minuten sanft schmoren. Die gekochte, geschälte Kartoffel klein würfeln und 5 Minuten mitkochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Guanciale in einer Pfanne im eigenen Fett langsam knusprig braten, aber so, dass er im Biss noch weich und saftig ist.

Die Pasta in siedendem Salzwasser al dente kochen. Abgießen, zurück in den Topf geben, mit dem Mangoldsugo mischen. Auf Teller verteilen, Guanciale und Pecorino darübergeben.

ALL IMAGES © TableTales