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10/30/2017

ISS NICHT ZU VIEL AUSWÄRTS!

In meinen Händen halte ich das neue Kochbuch von Claudio Del Principe: a casa. Ich gebe zu, ein wenig überdrüssig von den vielen Kochbüchern, die fast täglich auf den Markt gespült werden, blättere ich nur kurz durch. Und halte dann doch inne. Auf der letzten Seite. Diese ziert ein Foto, das ich lange betrachte. Es berührt mich, es weckt Erinnerungen. Der Autor steht neben seinem neunzigjährigen Vater, der ihm, wie da steht, schon immer den Rat gab, nicht zuviel auswärts zu essen. „Du ruinierst dir den Magen. Nirgends isst du besser als zuhause.“

Mein Vater erreichte dieses hohe Alter leider nicht, aber die Worte könnten die seinen sein. Als Kind ärgerte ich mich darüber, denn die anderen gingen ins Restaurant. Wir aßen zuhause. Später hatte ich meine Auswärtsphase, die sich aber längst ausgewachsen, ausgegessen, hat. Mein Vater hatte recht. Zu oft verließ und verlasse ich Restaurants enttäuscht, zumindest ernüchtert. Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch. Klar, auch zuhause bin ich manchmal unzufrieden. Aber ich weiß dann wenigstens warum. Die Zutaten waren nicht sorgfältig ausgesucht. Oder ich habe nicht genügend Zeit investiert – wie Claudio schreibt: „die wertvollste Zutat“.

Widmet man dem Essen Zeit, entsteht daraus automatisch die zweite wichtige Zutat: Liebe. Diese ist denn auch auf allen Seiten des sorgfältig gestalteten Buches zu spüren und zu finden. Für fast jeden Tag des Kalenders eine Portion Amore. Sei es als herbstlicher Risotto oder zartes Lammragout; als Pane pugliese oder einer Spuma di Ricotta.
Und wie könnte es anders sein, als Pasta. Viel Pasta. Claudio verführt gnadenlos mit einer Fülle von wunderschönen Rezepten. Die Herstellung des Pastateiges, egal an welchem Wochentag, beschreibt er als Fest. Als Akt der Hingabe, aber auch der Demut, denn – wie beruhigend – bis man die perfekte Sfoglia, das Teigblatt in der Größe eines Leintuchs hinbekommt, brauche es Jahre. Er sei meilenweit davon entfernt. Nun ja... Wo bitte bin dann ich? Lichtjahre entfernt. Auf dem Mond. Kein Grund aufzugeben: „Sie schaffen das!“ ermutigt er entspannt. Überhaupt, das ganze Buch, die Sprache, die Bilder, alles wirkt unangestrengt. Einfach normal. Als würde man in Claudios Küche sitzen, während er hübsche Cappelletti formt und dabei erzählt. Kleine Geschichten, Anekdoten, auch einmal einen charmanten Witz.

Mit diesem Kochtagebuch bleibt keine Zeit für auswärts – für ein ganzes Jahr lang nicht. Ich freue mich darauf und habe bereits begonnen: Orecchiette mit Mangoldsugo. Den „brutal knusprigen Guanciale“ habe ich zwar weggelassen, dafür umso mehr Pecorino darüber gehobelt. Wahrlich, ein Fest! Und das an einem Montag. 
Grazie mille Claudio! Ach ja, und ein Hoch auf unsere Väter.

Claudio Del Principe: a casa. AT Verlag. 320 Seiten. CHF 49.90.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Orecchiette mit Mangoldsugo

4 Personen

Zutaten
500 g Mangold
Olivenöl extra vergine
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
1 Peperoncino, entkernt, fein geschnitten
200 ml passierte Tomaten
1 gekochte Kartoffel
feines Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
200 g Guanciale, in 3 cm lange und 5 mm dicke Streifen geschnitten
400 g gekaufte hochwertige Orecchiette
Pecorino, gerieben


Zubereitung
Die Mangoldblätter abbrausen. Die weißen Rippen in 1 cm große Würfel schneiden. Die Blätter zweimal falten und in Streifen schneiden. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen. Mit dem Knoblauch und dem Peperoncino aromatisieren. Den Mangold dazugeben und so lange dämpfen, bis er zusammenfällt. Die passierten Tomaten dazugeben, mit etwas Wasser verdünnen und zugedeckt 40 Minuten sanft schmoren. Die gekochte, geschälte Kartoffel klein würfeln und 5 Minuten mitkochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Guanciale in einer Pfanne im eigenen Fett langsam knusprig braten, aber so, dass er im Biss noch weich und saftig ist.

Die Pasta in siedendem Salzwasser al dente kochen. Abgießen, zurück in den Topf geben, mit dem Mangoldsugo mischen. Auf Teller verteilen, Guanciale und Pecorino darübergeben.

ALL IMAGES © TableTales


1/05/2017

EINFACH WENIGER

Vollgestopfte Kühlschränke? Anstrengende, mehrgängige Menüs? Zuviel Glühwein und Geschenke, Glitter und Glimmer? Oder sogar Glamour? Genug davon! Jetzt sehnen sich viele nach weniger, nach einfach. 
Ein Rezept, das diesem Anspruch gerecht wird, habe ich in Ursula Furrer-Heims Backbuch mit dem schlichten Titel Cake entdeckt. Genial einfach und schnell verspricht der Untertitel auf dem schwarzen Cover. Es stimmt! Auf meine Wahl, auf Großmutters Haferflocken-Cake, trifft das zu. Ohne viel Aufwand kommt ein zart duftender und durch die geraffelten Äpfel angenehm feuchter Kuchen aus dem Ofen. Ein purer Genuss – zu Tee und Winterlandschaft. 

Doch auch passend zu allen anderen Jahreszeiten versammelt das Buch eine bunte Mischung sehr unterschiedlicher von der Autorin in ihrer Babypause entwickelter Cake-Rezepte. Daneben eine Reihe Tipps und Tricks für ein perfekt gelungenes Gebäck aus der Kastenform. Das muss übrigens nicht immer süß sein oder man lässt den Ofen gleich mal weg. Ein Kapitel widmet sich Pikanten Cakes, ein anderes den kühlen Ungebackenen. Doch die gehören dem Sommer... Erst einmal genießen (oder überstehen) wir jetzt noch den Winter, mit Hafer- und Schneeflocken! Frohes neues Jahr!

Ursula Furrer-Heim: Cake. AT-Verlag. 144 Seiten. CHF 26.90.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag. 

Großmutters Haferflocken-Cake

Zutaten
2 rotschalige Äpfel
100 g weiche Butter
150 g Rohrzucker
3 Eier
160 g Mehl
80 g Haferflocken
2 TL Backpulver
1 Prise Salz

Anmerkung: 
Ich gebe noch einen TL Zimt dazu.
Ich trenne die Eier und schlage die Eiweiß zu Schnee.

zum Bestreuen:
2 EL Haferflocken
2 EL Rohrzucker


Zubereitung
Den Backofen auf 180° C vorheizen.

Eine Cakeform von 30 cm Länge mit Backpapier auslegen.

Die Äpfel waschen, trocknen, entkernen und an der Röstiraffel (Kartoffelreibe) reiben. Die Apfelraspel mit den restlichen Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Schwingbesen des Handrührgeräts zu einem Teig verrühren.

Anmerkung:
Ich rühre zuerst Butter und Zucker schaumig, dann rühre ich die Eigelb einzeln dazu. Danach Mehl, Backpulver, Zimt und Salz dazugeben und verrühren. Jetzt die Äpfel und zum Schluss den Schnee vorsichtig unterheben und mit dem Teig gleichmäßig vermischen. 

Den Teig in die vorbereitete Form geben und glatt streichen. Die Haferflocken und den Zucker darüberstreuen.

Den Kuchen in der unteren Hälfte des vorgeheizten Ofens circa 40 Minuten backen. Herausnehmen und in der Form auskühlen lassen.

Haltbarkeit: In Folie verpackt etwa 3 Tage.

Anmerkung: Weniger in Ehren, aber ein Klecks Schlagsahne gehört einfach auch noch auf den Teller!

ALL IMAGES © TableTales